Wie ein Unfall mein größter Wendepunkt wurde

Laura Franz mit Tasse in der Hand, als ihr die Erkenntnis kam, welches Glück sie hatte.

und Kreativität mich zurück zu mir geführt hat.

Am 15.12.25 hat mein Leben kurz angehalten. Ich erinnere mich nicht an den Unfall selbst. Nur daran, dass ich gegen 15 Uhr mit dem Fahrrad unterwegs war, ohne Helm (nicht nachmachen) – und abends im Krankenhaus in der Notaufnahme aufgewacht bin.

Mit einer großen Beule am Hinterkopf, blauen Flecken, Schmerzen im Kiefer.
Und mit einem unfassbaren Glück im Gepäck.

Ich hatte es noch nach Hause geschafft, habe bei einem Freund geklingelt, war scheinbar verwirrt, habe dieselben Fragen immer wieder gestellt. Er hat dann den Krankenwagen gerufen, als er bemerkte, das wird nicht besser.
Vier Tage Krankenhaus. Untersuchungen. Warten.

Die Erinnerungen an die zwei Tage vor dem Unfall kamen zurück. Nur der Unfalltag selbst liegt bis heute ab ca. 15 Uhr im Nebel.

Erst am Samstag danach – wieder zu Hause – wurde mir wirklich bewusst, was passiert war.
Ich saß einfach da. Stille im Raum. Das Atmen meines Hundes. Mein Journal vor mir. Ein Kaffee in der Hand.

Und plötzlich diese klare, stille Erkenntnis: Ich hatte riesiges Glück.

Kein Loch im Kopf. Kein entstelltes Gesicht. Kein Bruch, der mein Leben dauerhaft verändert hätte.
Nur blaue Flecken – und ein tiefer innerer Einschnitt.

Schon vor dem Unfall hatte ich begonnen, meinem Traum Raum zu geben.
Ich hatte meine Website aufgebaut, den Gedanken zugelassen, dass meine Kunst mehr sein darf als ein Hobby.

Dass ich vielleicht Workshops anbieten möchte.
Dass da etwas in mir lebt, das geteilt werden will.

Im Krankenhaus habe ich gemerkt, wie sehr mir Kreativität fehlt.
Dieses Abtauchen. Dieses Bei-mir-Sein. Dieses leise Verschwinden aus dem Außen.

Und gleichzeitig wurde mein Wunsch stärker, dieses Gefühl weiterzugeben.

Denn kreative Energie ist so viel mehr als Malen.
Sie ist eine Kraft, die erfüllt. Die verbindet.
Die – so empfinde ich es – besonders uns Frauen auf einer tiefen Ebene nährt.

Mein Skizzenbuch wurde in 2025 mein Anker.
2025 habe ich darin so viel gearbeitet wie noch nie. Nicht, weil ich produktiv sein wollte – sondern weil ich mir erlaubt habe,
dass ein einziger Strich genug ist.

Dieses Erlauben hat alles verändert. Das Skizzenbuch wurde mein Ort der Erdung.
Mein Weg, bei mir anzukommen.

Nach dem Unfall – zurück aus dem Krankenhaus – war plötzlich etwas klar, das vorher lange diffus war:
Ich wusste, wie ich meinen Stil auf Leinwand übertragen kann.
Wie aus dem Leisen etwas Sichtbares werden darf.
Es war wie eine Erkenntnis, die nicht gedacht, sondern gespürt wurde.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich ein Leben, das lange versucht hat, in ein System zu passen.
Schule. Ausbildung. Weiterbildung. Bürojob. „Du brauchst einen sicheren Job“, hieß es.

Und ich habe mich dabei immer weiter selbst verloren. Nichts hat mich wirklich erfüllt.
Ich war ständig auf der Suche nach einem Ausweg – ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suche.

Ich habe lange „schöne Bilder“ gemalt. Technisch gut.
Aber seelenlos. Sie haben kein Gefühl transportiert – nicht für mich.

Die kreative Energie hat mir gezeigt, was ich wirklich will.
Und der Unfall hat mir gezeigt, dass es endlich Zeit ist, loszugehen.

Dieser Unfall war mein Wendepunkt.
Nicht, weil etwas Schlimmes passiert ist – sondern weil mir bewusst wurde, wie kostbar dieses Leben ist.

Ich wünsche mir, Räume zu öffnen, in denen Menschen wieder bei sich ankommen.
Weniger Ellenbogen. Weniger Vergleich. Mehr Nähe. Mehr Unterstützung. Mehr Echtheit.

Kreativität als Rückverbindung.

Vielleicht war dieser Unfall genau das:
eine leise Erinnerung daran, dass ich hier bin, um meinen Weg zu gehen.
Und andere daran zu erinnern, dass sie es auch dürfen.

Vielleicht ist Kunst manchmal genau das: eine leise Erinnerung.

Eine Erinnerung daran, dass du dir Zeit nehmen darfst.
Dass deine Wünsche Raum brauchen.
Dass du losgehen darfst – in deinem Tempo.

Manche Menschen holen sich dafür ein Bild in ihr Zuhause.
Nicht als nur Dekoration, sondern als inneren Anker.

Universum in mir

Vielleicht ist dieser Text auch eine Erinnerung für dich.

Eine Erinnerung daran, dass du dir Zeit für dich nehmen darfst.
Dass deine Wünsche Raum brauchen.
Und dass es erlaubt ist, ihnen langsam näherzukommen.

Wie bereits erwähnt, manche Menschen holen sich dafür ein Bild in ihr Zuhause.
Nicht als Dekoration, sondern als stillen Anker im Alltag.
Als Erinnerung daran, sich selbst nicht wieder zu verlieren.

Und manchmal beginnt dieser Weg ganz leise.
Mit einem kleinen Schritt. Mit einem ersten Innehalten.

Vielen Dank, dass du meine Geschichte bis hierher gelesen hast.

Herzlichst,

Laura, deine Wegbegleiterin

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Kunst als innerer Anker – warum sie mehr ist als Luxus

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